Nein zur Anti-Minarett-Initiative
Am 29. November 2009 findet die Volksabstimmung über die Anti-Minarett-Initiative statt. Für die Bethlehem Mission Immensee zeugt die Initiative von mangelndem Selbstbewusstsein und Vertrauen in unsere Werte.
Die Anti-Minarett-Initiative ist geprägt von Angst: Angst vor der Konfrontation mit Neuem, Angst vor der fremden Religion. Angst ist ein schlechter Ratgeber und Diskriminierung der falsche Weg. Sie können gerade das bewirken, was sie zu verhindern vorgeben: Konflikte zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion. Sie tragen dazu bei, dass sich Andersgläubige allenfalls radikalisieren und dass die Fähigkeit von uns Schweizer/innen abnimmt, das Zusammenleben mit Andersgläubigen positiv zu gestalten. Was wir brauchen, ist der Dialog mit Andersgläubigen, die persönliche Begegnung in gegenseitigem Respekt. Im ehrlichen Austausch bereichern sich Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen gegenseitig und erweitern ihren Horizont. Ausgrenzung und Diskriminierung erschweren nicht nur diesen Dialog mit Andersgläubigen, sie unterminieren unsern Rechtsstaat und die Menschenrechte. Sie sind nicht Ausdruck von Selbstbewusstsein, sondern zeigen mangelndes Vertrauen in unsere Werte, unsere Institutionen und unsere – auch religiöse – Identität.
Der Interreligiöse Dialog ist ein zentrales Anliegen der Bethlehem Mission Immensee (BMI). Ihre Fachpersonen arbeiten mit Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen am gemeinsamen Ziel einer friedlicheren Welt. Sie alle begegnen anderen Religionen ohne Angst, die eigenen Werte zu verlieren:
- Norbert Spiegler arbeitet in Kolumbien mit indigenen Jugendlichen, die in der modernen Welt keinen Platz finden und vermehrt Selbstmord begehen. Als Christ unterstützt er sie auf ihrem Weg, ihre kulturelle und religiöse Identität zu festigen.
- Bernadette Magerl arbeitete fünf Jahre in einem buddhistischen Spital in Taiwan. Sie befasste sich mit ihren Kolleginnen und Kollegen mit Fragen über Leben, Leiden und Sterben. Alle Mitarbeitenden profitierten vom Austausch über verschiedene religiöse Haltungen.
- Das RomeroHaus bietet einen Kurs zu Spiritueller Theologie im interreligiösen Prozess an. Christentum, Judentum, Islam und Buddhismus werden auf ihre spirituellen Impulse fürs heutige Leben befragt. Die Nachfrage nach dem Kurs ist gross.
- Im Juni 2008 widmete sich die Zeitschrift der BMI, der WENDEKREIS, dem interreligiösen Dialog und berichtete von vielfältigen Erfahrungen.
Für ein friedliches Zusammenleben mit Menschen unterschiedlicher Prägungen und Anschauungen setzt die BMI auf Begegnung und respektvollen Austausch. Die aktuelle Schweizer Verfassung bietet dazu einen soliden, nicht diskriminierenden Rahmen. Gefährden wir diese wichtige rechtliche Grundlage nicht!
Die Initiative ist von der Schweizerischen Volkspartei SVP und der Eidgenössischen Demokratischen Union EDU lanciert worden. Sie will den Bau von Minaretten in der Schweiz mit einem Verbot in der Bundesverfassung verhindern. Die meisten Parteien und weite Kreise aus der Politik lehnen die Initiative ab, da ein solches Verbot gegen die in der Bundesverfassung garantierte Glaubens- und Gewissensfreiheit verstosse. Ebenso haben sich bereits zahlreiche kirchliche Gremien gegen die Initiative ausgesprochen.
Die Bethlehem Mission Immensee ist Mitglied des «Aktionsbündnis für religiöse Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit» und der interreligiösen Arbeitsgemeinschaft in der Schweiz.

