Economic Empowerment: Für sich selber sorgen lernen
Economic Empowerment: Für sich selber sorgen lernen
In Nairobi gibt es rund 200 informelle Siedlungen, also Elendsviertel. Sie bestehen hauptsächlich oder ausschliesslich aus provisorisch gebauten Unterkünften. Über zwei Millionen Menschen leben hier – auf nur fünf Prozent des Stadtbodens.
Kibera ist der grösste Slum südlich der Sahara, hier lebt rund ein Viertel von Nairobis Bevölkerung. Die Gebäude – Hütten – sind vorwiegend einstöckig. Auf etwa neun Quadratmetern Wohnfläche leben durchschnittlich fünf Personen. Frischwasser und sanitäre Anlagen sind rar, 50 bis 300 Personen benutzen gemeinsam je ein Plumpsklo. Da die Siedlung illegal ist, ist der Staat nicht verpflichtet, für die Infrastruktur – also Wasser, Strom und Abfallbeseitigung – zu sorgen. Die Abwasser fliessen in Gräben durch die Gassen, münden in den Fluss und schliesslich in den Nairobi-Damm. Die Leute sind sehr arm, Kriminalität und Gewalt sind allgegenwärtig. Schätzungen zufolge sind 50% der Menschen in Kibera HIV-positiv. Vergewaltigungen tragen zur unkontrollierten Verbreitung des HI-Virus bei.
Nelly Näf arbeitet für die BMI-Partnerorganisation „Our Lady of Guadalupe“, eine katholische Pfarrei, die 1971 gegründet worden ist und sich in sozialer, wirtschaftlicher und politischer Entwicklung wie auch in Liturgie, Glaubensbildung und Pfarreiarbeit engagiert. Das Sozialbüro führt verschiedene Programme durch, die sich mit Gesundheitsthemen, Bildung und wirtschaftlicher Stärkung der Schwachen befassen. Katholiken und Katholikinnen in fünf Regionen gehören zur Pfarrei, zwei Drittel von ihnen leben in Kibera.
Unterstützung beim Aufbau eines eigenen Geschäfts
„Bei den Unruhen 2008 kam es zu Gewalt und Zerstörung. Viele Menschen sind vertrieben worden, vor allem auch in Kibera“, berichtet Nelly Näf. „Seither ist unsere Hilfe noch nötiger als vorher. Mit grossem Einsatz und dank Spenden können wir etwa 100 Familien unterstützen. In einem unserer Programme, ,Wiederaufbau und Stärkung’, haben wir mit drei verschiedenen Zielgruppen zusammengearbeitet: Mit Menschen mit Behinderungen, mit allein stehenden HIV-positiven Müttern und mit Gehörlosen. 70 Familien haben sich für das Programm interessiert, 30 haben wir ausgewählt und ins Programm aufgenommen. Alle Teilnehmenden beabsichtigen, ein eigenes kleines Geschäft aufzubauen. Wir schulen die Leute in Gruppen zu je zehn Personen. Themen, die wir miteinander behandeln, sind etwa die Organisation des eigenen Geschäfts, die Bildung von Teams, Sinn und Zweck von Sparen und Kreditvergaben. Wir vermitteln auch Kenntnisse in Geschäftsführung und in Vertrieb. An den regelmässigen Treffen unterstützen wir die Teilnehmenden in der Buchführung.“
Nelly Näf berichtet, dass jeder und jede Teilnehmende eine Starthilfe von maximal CHF 100 für ein kleines Geschäft erhalten hat. Nach sechs bis zwölf Monaten ist der Geschäftsgang evaluiert worden: 80% haben Gewinne erarbeitet, Rückstellungen gemacht und das Geschäft weiterentwickelt. Die restlichen 20% haben mit verschiedenen Problemen wie Gesundheit, Familie oder Administration zu kämpfen gehabt. Diese Personen sind daher durch das Projektteam individuell beraten und betreut worden. „Die meisten sind nun in der Lage, die Kosten für das Essen der Familie, ein Teil der Schulgelder für die Kinder und bessere Kleidung aufzubringen“, sagt Nelly Näf.
Ausbildungs- und Aufklärungsarbeit
Dank einer grösseren Spende aus dem Kanton Appenzell Ausserrhoden ist im Februar 2009 das Projekt „Care and Support“ gestartet worden. Es beinhaltet zwei Teile: einerseits die Betreuung, Unterstützung und Beratung von Kranken und deren Familien durch Gesundheitshelferinnen, andererseits Schulungen, die die Teilnehmenden befähigen, ein kleines Geschäft aufzubauen und damit ein Familieneinkommen zu erwirtschaften.
„Mit Kirchenvertretern und zusammen mit Sozialarbeiterinnen haben wir Freiwillige als sogenannte Gemeinde-Gesundheitshelfer/-innen gesucht“, erzählt Nelly Näf. „Anfang März 2009 haben sieben Frauen und drei Männer den Ausbildungslehrgang zur ‚Homebased Care’ (Spitex) besucht. Den Lehrgang haben wir in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium angeboten und die Ausgebildeten mit medizinischem Grundmaterial ausgerüstet. Inzwischen besuchen sie in ihrer Gemeinde Kranke, bieten medizinische Hilfe an, beraten Familienmitglieder und schulen sie im Umgang mit den Kranken.“ Damit können etwa 150 Personen und ihre Familien unterstützt und ihre Lebensqualität gesteigert werden. Die Gesundheitshelfer/-innen leisten auch Aufklärungsarbeit und sie motivieren HIV-Positive dazu, sich in Selbsthilfegruppen zu organisieren.
Wirtschaftliche Stärkung
„Das Care and Support-Projekt ist nun in der zweiten Phase“, sagt Nelly Näf. „Wir schulen, unterstützen und beraten bestimmte Personengruppen. Dadurch werden sie gestärkt: sie stellen eigene Produkte her oder erbringen Dienstleistungen, die sie verkaufen. Dadurch können sie ihren Lebensunterhalt selbstständig und nachhaltig bestreiten.“




