Begleitung von bedrohten Dorfgemeinschaften

Josef Schönenberger am Treffen der Selbsthilfegruppe "movimento de victimas " (Opfer von Gewalttaten).

Seit Oktober 2006 arbeitet Josef „Chepe“ Schönenberger in der Menschenrechtsarbeit der Diözese Quibdó. Er begleitet Dorfgemeinschaften, die aufgrund des bewaffneten Konflikts in Kolumbien in Gefahr leben. Andere Dorfgemeinschaften zählen auf seine Unterstützung, wenn sie nach einer Zeit der Vertreibung in ihre Dörfer zurückkehren.

Mehr als 20 Jahre hat Josef Schönenberger, den die meisten einfach Chepe nennen, in Kolumbien verbracht. Seine jetzige Aufgabe, als Mitglied der diözesanen Kommission "Leben, Gerechtigkeit und Frieden", hat er im Oktober 2006 begonnen.

Die Dorfgemeinschaften in der Diözese Quibdó leiden seit Jahren unter der bewaffneten Gewalt der Guerilla, der Paramilitärs und des Militärs. Die kriegerischen Aktionen richten sich oft direkt gegen die Zivilbevölkerung. Um nicht getötet zu werden, bleibt den Menschen oft nur die Flucht. So wird ihnen ihre Lebensgrundlage, der Urwald, gestohlen, sei es, um auf dem Land Plantagen von Ölpalmen zu errichten, sei es, um die reichlich vorhandenen Bodenschätze, zum Beispiel Gold, zu gewinnen.

Ist eine Gemeinschaft akut bedroht oder versucht sie nach der Vertreibung in ein zerstörtes Dorf zurückzukehren, lebt Chepe Schönenberger einige Tage oder gar einen Monat bei ihnen. „Mit den Bewohnern analysiere ich die Situation und behandle Themen des internationalen Völkerrechts. Zusammen erarbeiten wir Regeln für die Sicherheit des Dorfes.“

Chepe Schönenberger erzählt vom Dorf Carillo, in das die vertriebenen Bewohner nach dreieinhalb Jahren zurückkehrten. Von den 35 Häusern standen nur noch acht. Alle anderen waren von den Paramilitärs zerstört und niedergebrannt worden. Auch die Schule und der Gesundheitsposten waren in desolatem Zustand. Als Erstes musste das Dorfareal von zwei Meter hohem Unkraut befreit werden. Chepe Schönenberger half bei der Organisation des Wiederaufbaus mit und motivierte die Menschen bei diesem Neuanfang. „Jeden zweiten Tag führten wir eine Dorfversammlung durch, wo wir aus der Bibel lasen, über Menschenrechte sprachen oder auch Anträge an die Regierung verfassten und in diesen um humanitäre Hilfe und Unterstützung beim Häuserbau nachsuchten.“

Die benachteiligten Menschen in Kolumbien sind Chepe Schönenberger ans Herz gewachsen. Nach wie vor bleibt seine Arbeit sehr schwierig, denn die Bedrohung der Dörfer durch Militär, Paramilitärs oder Guerilla dauert an. Er weiss jedoch mit Sicherheit, dass die Gemeinschaften seine Präsenz und seine Begleitung begrüssen. Und er hofft auf eine politische Lösung, damit Gewalt und Vertreibung ein Ende nehmen „und meine Aufgabe hier überflüssig wird“.

Partnerorganisation Diözese Quibdó

Die Diözese Quibdó liegt an der Pazifikküste in der Provinz Chocó, dem an Biodiversität reich beschenkten Armenhaus Kolumbiens. Vornehmlich afrokolumbianische und indigene Menschen leben dort. Die diözesane „Kommission Leben, Gerechtigkeit und Frieden“ besteht aus sechs vollamtlich tätigen Mitarbeitern. Sie begleiten und motivieren die Gemeinschaften in den zehn ländlichen Distrikten, die zur Diözese gehören, und stärken die lokalen Pastoralteams.

 

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