Im Dienst von Menschen, die am Rand stehen

Stehende Personen mit Liedblättern bei einer Meditation
Kreuzweg am Karfreitag im Innenhof des Gefängnisses von Huancayo.

Andreas Wettstein kennt die Gefängnisse der mittelgrossen peruanischen Stadt Huancayo von innen. Mit einem Team von Freiwilligen begleitet er die rund 900 Gefangenen des regionalen Männergefängnisses. Das Seelsorgeteam besucht auch regelmässig ein Frauengefängnis und eine Jugendstrafanstalt.

Seine Arbeit, sagt Andreas Wettstein, sei herausfordernd, erschütternd, sehr oft aber auch befriedigend und bereichernd. Der Seelsorger sieht seinen Einsatz, den er seit 2003 leistet, als Dienst an und mit den Menschen in den Gefängnissen. Oft stammen die Gefangenen aus zerrütteten Familienverhältnissen, hatten als Kind traumatische Erlebnisse und waren mit Gewalt und Drogen konfrontiert.

Persönliche Gespräche mit diesen an den Rand der Gesellschaft gedrängten, ausgestossenen Menschen sind dem Theologen besonders wichtig. "Obwohl mich die Lebensbeichten oft beschämen und hilflos fühlen lassen, sehe ich es als meine Aufgabe, ganz aufmerksam zuzuhören und vor allem nicht zu (ver)urteilen." Er betont, dass kein Gefangener sein spirituelles Angebot nutzen muss. Aber viele tun es, denn es ist der einzige Ort, wo sie vertrauensvoll und frei über sich reden können.

Immer wieder erfährt Andreas Wettstein, dass die Gefangenen nicht viel anders sind als die Menschen, die er auf der Strasse trifft: "Trotz ihren Taten haben sie Talente und oft einen Willen, sich zu verändern." Und er erlebt oft, dass sie ihren Gefängnisaufenthalt als Chance nutzen, zum Beispiel um in einer der Werkstätten einen Beruf zu erlernen.

Andreas Wettstein

  • begleitet als Seelsorger die Gefangenen durch Besuche, Feiern von Wortgottesdiensten, Organisation von Besinnungs- und Bildungstagen
  • bildet die freiwilligen GefangenenseelsorgerInnen aus und bietet ihnen Weiterbildung
  • fördert die Rehabilitation der Gefangenen durch Unterstützung von Werkstätten in den Gefängnissen
  • fördert durch Weiterbildung des Gefängnispersonals ein Bewusstsein für Menschenrechte beim Gefängnispersonal
  • organisiert einen "runden Tisch" zum Austausch zwischen Gefängnispersonal, Justizbehörden und Gefangenenseelsorge
  • fördert das Bewusstsein der Öffentlichkeit für Menschenrechte und Ökologie
  • macht Präventionsarbeit bei Jugendlichen durch Kampagnen in den Schulen.

Die Stadt Huancayo ehrte Andreas Wettstein im März 2008 für seine Verdienste in der Gefängnisseelsorge mit einer Anerkennung.

Partnerorganisation: Pastoral de Dignidiad Humana, Huancayo

Die "Pastoral de Dignidiad Humana" (Pastoral der menschlichen Würde) ist Teil der Sozialpastoral des Erzbistums Huancayo. Sie befasst sich nebst der Gefangenenseelsorge mit Menschenrechten, Demokratisierung und Umweltfragen.

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